28. April 2014

Und ich bin dankbar.

Ich wollte euch heute eigentlich vom Blogger Bazaar berichten - aber das mache ich morgen Abend.
Heute erzähle ich euch von meiner Heimreise vom Blogger Bazaar.
Dieser war ja, wie ihr wisst, in Frankfurt. Ich selbst wohne in der Nähe von Dortmund, aber meine Mutter wohnt bei Frankfurt, also war ich, nach einer Nacht bei meiner Mutter, dabei. Ich bin sehr wetterfühlig und so hatte ich den ganzen Tag Migräne aufgrund der Gewitterluft.
Um 18 Uhr bin ich dann gefahren, anstatt - wie geplant - ca 22 Uhr. Eine kluge Entscheidung, da ich 3 Stunden zu fahren hatte.
Dachte ich.
Auf der Autobahn, 20km hinter Frankfurt, fing mein Auto an zu piepsen. Kein Kühlwasser mehr. Ich habe dann an der dreispurigen Autobahn am Seitenstreifen geparkt und mein Warnblinklicht angemacht. Freund angerufen, er kann nichts machen. Ich hatte noch 194km zu fahren.
Dann bin ich ausgestiegen und habe gesehen: überall war das Kühlwasser auf dem Boden. Ich habe Panik bekommen und den ADAC angerufen - da meine Mitgliedschaft 2011 abgelaufen ist, konnte ich es mir nicht leisten, mich so weit abschleppen zu lassen. Ich hatte noch 8km zu fahren bis zur nächsten Raststätte. Also bin ich langsam gefahren, aber die Temperatur des Motors stieg rasant und ich war wirklich verzweifelt und hatte Angst, dass der Motor kaputtgeht - aber niemand hat angehalten, um mir zu helfen. Ich bin mit Ach und Krach an der Raststätte angelangt. Dann ging ich in die Tankstelle und habe den Mann, der dort arbeitet, gefragt, ob er alleine oder zu zweit ist - damit jemand rauskommt, um sich mein Auto vielleicht mal anzusehen..was hätte ich anderes machen sollen? "Nein, ich bin hier alleine"-bekam ich zur Antwort. Ich ging wieder raus, wusste nicht, was ich tun soll, und sah dann im Fenster, wie ein zweiter Tankstellenmitarbeiter hinter der Kasse stand. So viel zur Hilfsbereitschaft. Dann habe ich einen Polizisten gefragt, ob er sich mit Autos auskennt, allerdings bekam ich zur Antwort, er kann da jetzt auch nichts machen - naja, er hatte ja recht, was soll er auch machen? Nur wusste ich nicht weiter. Meine Akkuladung des Handys betrug noch 4% und meine Kopfschmerzen wurden unerträglich - wer Migräne hat, weiß, wovon ich spreche. Daraufhin hat mich ein südländisch aussehender Mann angesprochen. Mich darauf hingewiesen, dass alles unter meinem Auto nass sei. Ich sagte: "Ja, irgendwas stimmt nicht und ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll."
Daraufhin sagte er, ich solle um die Ecke fahren, da steht sein Auto.
Ich fuhr also, langsam und mit der Angst, der Motor geht jede Sekunde kaputt, um die Ecke. Dort stand seine Frau mit Kopftuch und einem Auto mit einem Gelsenkirchener Nummernschild.
Und ich bin, wie, glaube ich, niemand, nicht frei von Vorurteilen. Ich traue generell niemandem, weil ich Angst habe, mir passiert was. Und Gelsenkirchen ist leider meine absolute Hassstadt....und ich dachte nur "Oh nein....."
Ich sprach also die Frau an, habe nicht an höfliche Etikette wie "Hallo, mein Name ist..." gedacht - Kopfschmerzen und Verzweiflung sei Dank - und gesagt "Ist Ihr Mann KFZ-Mechaniker?"
Sie bestätigte dies und fragte mich, woher ich das weiß. Ich zeigte ihr, dass alles unter meinem Auto nass ist und sagte, ich weiß nicht, was ich tun soll. Daraufhin sagte sie"Möchten Sie vielleicht einen Kaffee?" Ich stutzte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Also habe ich dankend angenommen. Daraufhin kam ihr Mann mit ihrem Sohn und schaute sich mein Auto an - und ging daraufhin in die Tankstelle zurück. Und kam mit einer riesigen Menge von Pfeffer in Beuteln zurück. Er erklärte mir, dass der Mann von der Tankstelle patzig zu ihm gewesen ist, weil er so viel Pfeffer genommen hat - daraufhin hat er mich wie ein Löwe verteidigt und hat gesagt, dass eine junge Frau in Not ist und das wichtiger sei als irgendeine Menge an Pfeffertüten. Er schüttete das Pfeffer in meinen Kühlwasserbehälter und sagte, dass das die Haarrisse verstopft, die ich wohl hatte. Die Wasserpumpe war nämlich in Ordnung. Daraufhin haben sie beschlossen, dass sie mich nach Dortmund bringen. Er fährt mein Auto, und ich fahre bei ihr mit. Er fährt hinter uns und sobald was passiert, ist er da und weiß, wie er reagieren muss - ich wüsste das nicht. Ich hatte ja sowieso keine Wahl außer blindes Vertrauen - also ließ ich es zu. Ich fuhr mit ihr und ihrem Sohn mit und ihr Mann in meinem Auto direkt hinter uns. Auf der Fahrt hat sie mir über ihre Religion erzählt, über ihr Leben, ihre Familie und dass es Schicksal war, dass sie mich treffen - damit sie helfen können. Weil sie das tun. Helfen, wo sie können. Wann sie können. Immer an das Gute im Menschen glaubend. Auf der Fahrt hat sie erzählt, dass sie eine schwere OP hatte und gar nicht Auto fahren darf - aber das hat sie auf sich genommen. Für mich. Eine Fremde. Eine völlig Fremde, die nicht mal vernünftig "Hallo" sagen konnte. Ich kam heil in Dortmund an und auch mein Auto. Ich wollte ihnen Geld geben, aber sie sagten, dass dies eine Beleidiung sei. Sie sagten, ich könnte ihnen die Welt schenken, aber sie würden es nicht annehmen. Und dann sind sie gefahren. Zurück, denn sie hatten einen Umweg von 40km für mich gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass ein kaputtes Auto mein Weltbild verändern könnten. Dass ich so dankbar sein könnte. Dass fremde Menschen so wichtig für mich werden könnten. Und dass man oftmals einfach nur an das Gute Glauben muss, auch wenn es schwer fällt - man kriegt so viel zurück. Ohne zu Fragen. Die Gespräche mit ihr und die ganze Erfahrung, auch wenn es für euch komisch wirken mag, haben mein Weltbild verändert und ich werde diese Menschen niemals vergessen. Ich danke euch, A. und M.

Kommentare:

  1. Oh, was für eine tolle Geschichte. Danke, dass du das mit uns geteilt hast. :)

    Liebst, Johanna <3

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  2. Sehr schön, es ist doch immer schön zu hören, dass es auch gute Menschen sind und dass Vorurteile, die wir uns dank unguter Erfahrungen gut gehütet im Köpfchen bewahren, manchmal doch garnicht so wahr sind (:
    Schön, dass du heil nach Hause gekommen bist.

    Liebe Grüße,
    Jenny

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  3. meine Güte ich hab ohne Witz grad Tränen in den Augen. Das ist ja so ein krasses Erlebnis! Aber es gibt keine Zufälle ;) Ich freu mich total für Dich, dass alles gut ausging!

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  4. Die Geschichte ist einmalig. Mit Migräne kenne ich mich nur zu gut aus und ich kann sehr gut nachempfinden, dass du dich schrecklich gefühlt hast und einfach nur nach Hause wolltest. Ich an deiner Stelle hätte auch ziemlich Angst gehabt und wäre aufgeschmissen gewesen. Gut, dass es doch noch ehrliche und hilfsbereite Menschen gibt. Das ist ja leider eher selten geworden...

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  5. Da passt nur dieses kitschige "faith in humanity restored". Wirklich ein tolles Erlebnis, manchmal hat man einfach Glück. Eine wahnsinnig nette Familie! Ich freu mich für Dich, dass alles gut gegangen ist :)
    Liebe Grüße,
    Missi

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  6. Ja ich hab gerade beim Lesen auch ein bisschen Tränen in den Augen. Eine wirklich tolle Erfahrung, die du da gemacht hast. :)

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  7. Das ist eine tolle Geschichte und so kann man erkennen, dass man nicht alle Menschen in einem Topf werfen soll. Ich bin total machtlos, wenn mein Auto streikt und deswegen bin ich Mitglied beim ÖAMTC (Pendant zum ADAC in Österreich). Bei uns ist es so, dass du als Nichtmitglied den Pannendienst in Anspruch nehmen kannst und wenn man gleich Vorort eine Mitgliedschaft eröffnet, ist das Abschleppen auch kostenlos.

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  8. Wie wunderbar! Gänsehaut pur :)!

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  9. wow tolle story ich freue mich richtig für dich !! :-)

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  10. Puh! Da hattest du wirklich Glück, dass du so hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen hast! Ich wüsste auch nicht, was ich da hätte tun sollen.

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  11. Wow was für eine rührende Geschichte. Ich kann gas gut verstehen das du zuerst skeptisch warst, ich bin da genau so. Ich habe auch ständig Angst das mir irgendwas passiert. Es ist aber schön zu lesen das es auch noch hilfsbereite Menschen gibt. Ich denke es liegt an der Mentalität und ihrer Kultur , in Deutschland kannst du einfach nicht viel Hilfe erwarten das durfte ich schon sehr oft spüren.

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  12. zwischen all den oberflächlichen schmink- und fashionposts, die mich sonst imemr auf einen blog lotsen, war das hier mal ne wirklich erfrischende abwechselung. tolelr blog, noch tollerer post. danke fürs teilen dieser geschichte :-)

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  13. Eine richtig richtig schöne Geschichte! Bin durch die Blogger-Facebook-Gruppe auf dich gestoßen und du hast einen wirklich tollen Blog :)
    Liebe Grüße!
    Vivien von Mrs. Brightside (www.absolute-brightside.de)

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