14. Juni 2014

Vom Lernen, glücklich zu sein...

...und Handtaschen, die Papa nie gekauft hat.


Ihr Lieben,

Ich habe eine neue Handtasche! Eine Louis Vuitton Sac Noe Grand von 1979.


"Waaaaas, keine Neue???"

Nein. Keine Neue.
Ich finde es unglaublich spannend, faszinierend und interessant, dass ich jetzt eine Handtasche habe, die viel älter ist als ich.
Und, ganz ehrlich? Ich habe keine knapp 1000€ für eine Handtasche.
Ich bin Studentin und wohne nicht mehr zuhause.
Woher soll ich dann eine neue Designertasche haben?

Klar, ich habe eine Chanel. Vintage, von einer Freundin gekauft.
Ich habe eine andere Louis Vuitton, neu, im Laden gekauft.
Von meinem Freund geschenkt bekommen, nachdem er neben seinem Studium und seiner eigenen, kleinen Firma noch zwei Monate 9 Stunden Schichten in einer Fabrik Ferienarbeit gemacht hat.
Die ich auch erst nicht annehmen wollte.

Klar, es gibt viele Mädchen (und natürlich Jungs), deren Eltern Geld haben.
Auch gerne viel Geld.
Und dann ist man Daddys kleine Prinzessin, die mit Schlosshundaugen am Gucci Fenster hergeht und sagt: "Die will ich. Und die auch. Die haben jetzt alle."

Ihr solltet eins über mich wissen:
Ich bin in den größten Villen aufgewachsen, meine Familie hatte Geld, wir sind jedes Jahr sehr oft in den Urlaub geflogen. Ich hatte alles, was ich wollte und noch mehr.
Als ich in die Pubertät kam, wo man denkt, die ganze Welt ist die Hölle und niemand versteht einen und überhaupt, ich-hasse-alles-außer-meine-coolen-Freunde, da haben sich meine Eltern scheiden lassen. Bam. Geld weg. Nichts  mehr da. Und ich musste lernen, dass neue Sachen nicht vom Himmel fallen. Und dass man dafür etwas tun muss.
Eine Seite meiner Familie hat noch immer Geld.
Da könnte ich klingeln und sagen: "Bitte, bitte, ich bin doch Fashion Blogger, die wollen die neuesten Designer-Teile sehen."
Und wisst ihr was? Ich würde mich schämen.
Ich verurteile niemanden für das, was er tut. Wenn andere Mädchen sich in einem Alter, wo man auch gut und gerne ausziehen kann und auf eigenen Füßen stehen könnte, von Papa alles kaufen lassen, dann machen sie das. Ich muss aber sagen, dass ich das absolut nicht gutheiße.

Ein Fashion Blog ist für mich etwas authentisches.
Ich zeige euch Sachen, die ich mir kaufen kann, wenn ich Geld habe.
Wenn ICH Geld habe.
Bafög. Oder arbeiten war.

Ich zeige euch allerdings keine Sachen, die mir meine Familie gerade gekauft hat (nicht einmal zum Geburtstag oder so, das ist VÖLLIG okay! Nein, sondern immer und immer wieder), weil "ich es halt kann." Ihr zwar nicht, aber mir doch egal, Hauptsache ich hab geile Sachen, die ihr euch gerne aus der Ferne angucken könnt, die ihr euch aber jedoch nicht leisten könnt.
Pech. Und dann stell ich mir vor den Ferrari in unserer Dreifachgarage neben unserer Bungalow-Villa im High-End Viertel von irgend einer coolen Stadt, die man aus dem Fernsehen kennt, und pose dann: "Neu. Hihi."

Das ist für mich komplett realitätsfern.
Ich weiß, Bloggen ist nicht das, was das Leben ist.
Klar erzähle ich euch, wenn ich was schönes Neues habe.
Glitzer, Lachen, Sonnenschein.
Dass ich aus Italien gekommen bin und 4 Tage lang mit einer schweren Lebensmittelvergiftung gekämpft habe, wisst ihr nicht.
Passt ja auch nicht ins Konzept.

Ich werde das auch nicht erzählen, wenn das nächste mal etwas mit mir ist. Oder irgend ein Tiefschlag passiert ist. Manche Sachen bleiben bei mir, manche teile ich mit euch. Natürlich meistens die schönen Dinge.
Allerdings können dadurch viele Illusionen auftreten, von denen ich euch ganz klar sage: Mein Leben ist NICHT besser als das von euch. Da bin ich mir sicher.

Und wenn ich irgendwann mal zu Geld kommen sollte, warum auch immer - ich meine, dass ICH zu Geld komme. Ich. Durch harte Arbeit. Dann werde ich mir auch was gönnen. Klar, dann hole ich mir sicher auch teure Taschen und vielleicht ein anderes Auto, was nicht permanent in die Werkstatt muss und schon 300.000 km runter hat. Aber ich werde niemals protzen mit Sachen, die ich mir nicht selbst leisten kann. Und generell auch nicht protzen.
Ich kenne beide Seiten - eigentlich sogar drei - Reich, Arm und Mittelmaß.
Ich kann mich nicht beschweren, mir geht's gut.
Ich kann mir Dinge leisten.
Nicht alle, aber das muss ich auch nicht.

Aber das schönste Gefühl ist für mich, dass ICH mir etwas kaufen konnte. Oder Geld einzahlen konnte.
Eigenständig.
Ich weiß, viele Blogger sagen "Ich habe hart dafür gearbeitet!!"
Bullshit.
Manche ja, manche aber eben auch nicht.
Ich bin nicht ganz realitätsfern und ich weiß, dass man mit einem Ausbildungslohn/als Student keine coole It-Wohnung in der Innenstadt einer Großstadt zahlen, jeden Abend Cocktails trinken und sich dann mal eben die neueste Celiné Tasche gönnen kann. Das funktioniert einfach nicht, auch nicht mit irgendeinem Nebenjob.
Miete zahlt sich nicht von alleine, das Handy auch nicht, auch nicht das neue MacBook oder Strom, Rechnungen und Essen/Trinken.

Und wenn jetzt jemand diesen Post falsch verstehen möchte, werde ich direkt gegensteuern:
Nein. Ich bin nicht neidisch.
Ich bin froh.
Ich bin froh, dass ich alle Seiten der Gesellschaft kenne.
Und ich habe gelernt, dass, egal wie viel Geld eine Familie hat, man seine Kinder nicht mit Designersachen zumüllen sollte, sondern dafür sorgen sollte, dass man ab einem gewissen Alter für eine Ausbildung/Studium auszieht und einfach mal versucht, sich selbst was aufzubauen, anstatt einen Anruf zu tätigen und jault, damit man nicht selbst arbeiten muss.

Und jetzt bewundert bitte alle meine vermackte, alles andere als neue, alte, wunderschöne Tasche, die ich mir selbst gekauft habe. :D







Kommentare:

  1. sehr toller Eintrag. Spricht mir ganz aus der Seele :-)
    Du hast einen tollen Charakter, das scheint durch die Zeilen hindurch. Gefällt mir!
    Mehr davon!

    Liebe Grüße

    Jessy

    http://tintenliebe.blogspot.de/

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  2. Schöner Post- und tolle Tasche :)
    Aber wo bekommt man solche Taschen gebraucht her? Ich bin da leider total ratlos, hätte aber gerne mal ein schönes Stück, was ich mir auch leisten kann! :)

    Liebst
    Jana

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    1. Hallo liebe Jana, Dankeschön!:) die Tasche habe ich von kleiderkreisel, man kriegt solche Taschen aber auch oft auf Ebay oder Ebay Kleinanzeigen, wenn man einfach mal nach "Louis Vuitton vintage" sucht :)

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  3. Sehr toller Post! Ich fühl mich ein wenig verbunden zu dir, weil ich dasselbe Schicksal habe. Zwar bin ich nicht in den "größten Villen" aufgewachsen - aber trotzdem. Ich geh auch für mein Geld arbeiten, ich verdiene mir alles selber und ich find es so witzig, wenn mal bei diesen ganzen kleinen 14 Jährigen Bitches, mami und pappi den Geldhahn zudrehen und die dann abdrehen.

    Alle meine Freunde haben zu ihrem 18. Geburtstag ein Auto geschenkt bekommen - natürlich wurde der Führerschein bezahlt - was sonst.

    Ich habe zu meinem 18. Geburtstag eine Reise nach London bekommen - aber nicht von meiner Familie (die im übrigen zu 99% in Amerika und Australien wohnt) sondern meine ganzen Freunde haben für mich zusammengelegt. Geburtstage sind für mich nichts besonders - denn ich wünsche mir nichts. Ich bekomm zwar immer Kleinigkeiten, aber manchmal geht es halt einfach nicht.

    Früher hätte ich auch den Führerschein bezahlt bekommen und vielleicht einen Audi A4 bekommen - aber so ist es nun mal nicht mehr und vielleicht soll es auch nicht so sein! Es hat alles seinen Grund! Ich persönlich kann immer noch nicht mit Geld umgehen - ich liebe es einfach Geld auszugeben. Und der "fall", den ich mitgemacht habe, da war ich 13. Nun bin ich 18.

    Ich will mir nicht vorstellen, wie diese ganzen neureichen kleinen Bitches zurecht kommen - wenn mal nicht alles erfüllt wird, was geht. Ich bin wie du, auf keinen Fall neidisch - ich bemitleide diese Menschen nur. Die bekommen einen Heulkrampf, wenn sie ihr neustes iPhone in der falschen Farbe kommen - und in Afrika verhungern die Kinder. Deren Welt ist falsch und aus Plastik! Und ich möchte kein Teil von so einer Gesellschaft sein!

    Ich könnte endlos weiterschreiben.

    Yonas von mryrd.com

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    1. Naja, ich möchte aber mal sagen, dass das auch etwas übertrieben ist ;)
      Nicht jeder ist so! Hier werden ja jetzt Extreme geschildert, aber es gibt ja auch immer noch Menschen, die Geld haben und trotzdem nicht alles haben müssen und die auch nicht oberflächlich sind! Und davon gibt es auch eine Menge :)

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  4. "Ich weiß, viele Blogger sagen "Ich habe hart dafür gearbeitet!!"
    Bullshit."

    Genau SO ist es! Wenn ich mir manche Youtuber anschaue, die in den größten Wohnungen ein Luxusleben führen und das allein durch das Geld, was sie durch ihre Zuschauern erhalten, dann kommt mir alles hoch. Solche Menschen waren der Grund, weshalb mir das Bloggen auch nach und nach immer weniger Spaß gemacht hat.

    Ich hab mir meine LV gebraucht gekauft - durch MEIN Geld - mein Geld, dass ich durch meinen Job - meinen richtigen Bürojob, den ich über 41 Stunden in der Woche mache - gekauft. Ich hab Geld gespart und zugeschlagen, als das Angebot gut war und ich fühle mich gut dabei :)

    Solche Menschen wissen die Dinge gar nicht zu würdigen. Papa hat das Auto bezahlt? Na dann kann ich ja damit fahren wie ich will...Schramme drin? Nicht so schlimm, ist ja nicht mein Geld.

    Ich hab auch mein Auto komplett selbst bezahlt und finanziert und achte immernoch drauf, dass da ja nix dran kommt. Kratzer sind, egal wie groß, für mich immer ein Weltuntergang und je mehr km der kleine Polo runter hat, desto wehmütiger werde ich, weil so ein kleines Auto ja leider nicht ewig lebt.

    Danke für diesen Post! Das spricht mir aus der Seele :))

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  5. Viele Blogger wissen ja leider nicht einmal, wie hart arbeiten funktioniert. Ich habe ein paar Longchamp-Handtaschen, selbst gekauft, vom selbstverdienten Geld und wisst ihr was, es fühlt sich toll an. Ich bekomme auch teure Geschenke, aber es ist immer noch etwas Anderes, wenn man etwas mit eigenen Händen getan hat. Ich bekam zum Geburtstag eine 300-Euro-Handtasche geschenkt, es war mir peinlich, aber ich benutze sie im Alltag und ich brauchte etwas stabiles. Ich zeige sie irgendwann mal, aber nicht jetzt.

    Ich komme aus gutem Hause, bin mit 22 ausgezogen und hatte nix, nicht einmal eine Ausbildung. Und nun 7 Jahre später geht es mir gut, so gut, dass ich eine Ausbildung beendet habe, mein Abi nachholen werde und noch ein Studium absolviere. Ich habe den Punkt erreicht, an welchem ich mein Leben leben möchte und ich bin froh darüber, dass meine Eltern mir nicht alles in den Arsch geschoben haben und dass es kein IPhone gab. Ich hoffe, die zukünftigen 29jährigen merken das auch noch und lernen, was das Leben wirklich hergibt.

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  6. Toller Blogpost!Gefällt mir richtig gut.
    Bei manchen Bloggern habe ich leider echt immer das Gefühl, es geht darum, nur teure Sachen zu zeigen. Als würden sie nix vom Dm besitzen, sondern nur Douglas/Mac/Chanel.
    Klamotten kauft man am günstigsten bei Abercrombie, aber am besten wäre prada.. Naja ich kann mich mit solchen Bloggern nicht identifizieren. Ich hab mit 16 nicht so ein Luxus gehabt.
    Ich bin nicht neidisch, ich bin zufrieden, wie es ist. Aber ich kann mich mit solchen leuten einfach nicht identifizieren, was für mich wichtig ist.

    Lg ♥

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  7. Das ist ein wunderschöner Post und ich bewundere dich für deine Einstellung!
    Ich finde man braucht nicht immer das Teuerste nur um eben 'gut dazustehen'. Man braucht dass was einem selbst gefällt und mit dem man sich identifizieren kann.

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  8. Dein Beitrag ist so gut geschrieben! Du sprichst von wahren Dingen mit denen ich mich selbst beschäftige, und auch aus einer Sicht die dich wieder sympathisch macht. Deine Einstellung ist klasse, aber das ist ja auch schon den Anderen vor meinem Kommentar aufgefallen. :)

    Liebe Grüße,
    Lani
    Blogged with Milk Tea

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  9. Oh, den Beitrag finde ich schön :)
    Ich finde es sehr bedenklich, wenn man als junges Mädchen quasi alles bekommt, was man sich wünscht.
    Einerseits hätte man auch manchmal gern so ein Luxusleben, aber andererseits... ist es dann kaum noch etwas Besonderes mehr, sondern so selbstverständlich.
    Ich bin froh, nicht so aufgewachsen zu sein, wobei es für viele, viele Menschen ja auch schon an Luxus grenzt, ein eigenes Haus mit Garten zu haben.
    Bin jedenfalls froh über mein Leben und freue mich schon darauf, mein eigenes Geld zu verdienen.
    (ich habe einen Nebenjob, aber ich meine jetzt nach dem Studium ;) ).

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Ich freue mich, dass ihr meinen Blog gefunden habt.
Ihr dürft mir hier alles sagen, was ihr wollt.
Kritik nehme ich an, Beleidigungen werden nicht geduldet und sofort gelöscht.
Ich bitte euch, nett zu bleiben.
Danke, dass ihr meinen Blog besucht habt!

I'm glad you found your way to my blog.
Feel free to say what you want-I accept criticism but defamations are not allowed and will be deleted immediatley.
I beg you to be nice.
Thanks for visiting my blog!